Konsequenzen für die Politik

Black Lives Matter und Friday for Future – beides Initiativen, die durch soziale Netzwerke grosses Aufsehen erregt haben. Sie fanden schnell Anhänger und sind nun weltweit ein grosses politisches Thema. Aber nicht nur das - allgemein informieren sich immer mehr Personen online über das Weltgeschehen und treten so mit Politik in Kontakt, meistens ohne sich dessen bewusst zu sein. Doch welche Vor- und Nachteile gibt es, wenn Politik online zugängig ist?

Vorteile

Sich über Politik zu informieren war sehr aufwendig, bevor es das Internet und die sozialen Netzwerke gab. Sich Wissen anzueignen und sich mit den verschiedenen Themen auseinanderzusetzen, erforderte einen grossen Zeitaufwand. Heutzutage kann man mit wenigen Klicks auf die politischen Themen weltweit zugreifen. Und wenn man einmal mit Beiträgen über Politik interagiert, sorgen die Algorithmen dafür, dass man immer mehr von diesen zu sehen bekommt. Der Zeitaufwand wird minimalisiert und man ist immer ausreichend über das Wichtigste informiert. Dies kann ein wichtiges Mittel sein, um politisches Interesse zu fördern.

Für verschiedene Parteien und Interessengruppen vereinfachen Algorithmen und das Internet den Zugang zu den potenziellen Anhängern, da die Beiträge vor allem den Personen angezeigt werden, die sich dafür interessieren. Die Verbreitung von Ideen und Interessen können schnelles Aufsehen erregen und so, auch einfacher durchgesetzt werden. Als Beispiel für eine Initiative, die ursprünglich in den sozialen Netzwerken entstanden ist, gibt es Black Lives Matter, dass durch die schnelle Verbreitung schon viele positive Dinge erreicht hat.

( bmbf.de, Jürgen Fälchle; Vundesministerium für Bildung und Forschung, 11.5.2019)

Abb.1 ( geistes-gegenwart.de, 2020, Klimawandel)

Nachteile

Jedoch ist nicht alles nur positiv. Die Algorithmen zeigen genau das an, für was man sich interessiert. So ist vor allem in der Politik das Problem, dass immer nur eine Seite der Argumentation zu einem Thema angezeigt wird. Man sieht deshalb immer wieder genau das Gleiche und nach einer Weile hinterfragt man gar nicht mehr, ob das, was man zu sehen bekommt, wahr ist. Die eigene Meinungsbildung wird dadurch stark eingeschränkt und durch allgemeine Meinungen ersetzt.

Dies wurde schon von vielen Politiker/innen und Parteien ausgenutzt, um Anhänger/innen zu gewinnen oder Initiativen durchzusetzen. Ein Beispiel dafür sind die Präsidentschaftswahlen in den USA, in denen Donald Trump mehrere Male versucht hat, mit Hilfe von Twitter Leute auf seine Seite zu ziehen, die ihn dann wählen würden. Auch der Angriff auf das Kapitol am 6.Januar 2021 wurde durch die sozialen Netzwerke in Gang gesetzt. Trump veröffentlichte zuvor auf Twitter einen Tweet, der seine Anhänger dazu ermutigte, das Kapitol zu stürmen, was sie dann auch taten. Durch die Algorithmen gelangte der Beitrag relativ schnell zu den richtigen Personen und hatte so grossen Einfluss auf die Politik.

Die immer beliebter werdenden, eigenständigen Initiativen können ein Vorteil aber auch ein Nachteil sein. Die schnelle Verbreitung zu einer spezifisch ausgewählten Leserschaft macht es ebenfalls einfacher für Verschwörungstheoretiker oder extremistischen Politikgruppen Anhänger zu finden.

( dw.com, Christine Lehnen, 14.1.2021)

Abb.2 ( trofire.com, 2018, Donald Trump und Twitter)

Unterschiede zwischen Ländern

Allerdings ist die Manipulation der Algorithmen in der Politik nicht überall gleich verbreitet und nicht gleich gefährlich. Es gibt grosse Unterschiede des Einflusses der sozialen Netzwerke zwischen Nordamerika und Europa. In den USA zum Beispiel, sprechen fast alle Personen Englisch. Dies vereinfacht es, einen Beitrag für viele Nutzer sichtbar zu machen. So kann eine grosse Masse an Personen zur gleichen Zeit mit den gleichen Mitteln relativ einfach beeinflusst werden. In Europa gibt es dieses Problem weniger. Man spricht viele verschiedene Sprachen und da Englisch nicht so weit verbreitet ist wie in Amerika, ist es schwieriger grosse Massen anzusprechen. All dies erschwert das Verbreiten einer Nachricht an eine diverse Gruppe von Personen. Aber dies soll keine Entwarnung sein. Manipulation durch soziale Netzwerke ist ein grosses Problem in jedem Land der Welt und sollte nicht unterschätzt werden.

( bmbf.de, Jürgen Fälchle; Vundesministerium für Bildung und Forschung, 11.5.2019)