Gebärdensprache
Gebärdensprache
Funktionsweise der Gebärdensprache
Die Gebärdensprache ist eine hochkomplexe Sprache: Man setzt dabei sowohl Hände, Arme, Kopf als auch den ganzen Oberkörper ein. Beim Gebärden kommt es ausserdem auf die genaue Stellung und Bewegung der Hände an - und wo am Körper die Gebärde ausgeführt wird. Gebärdensprache funktioniert als dreidimensional.
Mit einer einzigen Gebärde kann man viel mehr Informationen ausdrücken, als es in der linearen Lautsprache möglich wäre. Was auch sehr wichtig ist, ist die Mimik. Denn vor allem Gefühle werden in der Gebärdensprache mimisch ausgedrückt. Ausserdem muss man beim Gebärden stetigen Sichtkontakt halten.
Die internationalen Unterschiede der Gebärdensprache
Es gibt rund 200 verschiedene Gebärdensprachen weltweit und etwa 60 von ihnen sind bisher erforscht worden.
Auch wenn es viele verschiedene Gebärdensprachen gibt, existiert aber auch eine Art „Weltsprache“ die ASL (American Sign Language), welche offiziell in den USA und in Kanada verwendet wird. Sie ist die bisher meist erforschte Gebärdensprache und in vielen Ländern - vorwiegend in Lateinamerika, Afrika und Südostasien - weit verbreitet, weil amerikanische Missionare die ASL dorthin brachten.

Die Geschichte der Gebärdensprache
Antike: Philosophen wie Sokrates und Aristoteles erwähnen in ihren Schriften, dass Gehörlose mit Gebärden kommunizieren.
4. Jahrhundert: Der heilige Hieronymus stellt fest, dass die Gehörlosen mittels Gebärden das Evangelium lernen können.
16. Jahrhundert: In Spanien veröffentlicht der Franziskanermönch Melchior de Yerba das älteste überlieferte Fingeralphabet, und der Benediktinermönch Pedro Ponce de Leon berichtet als Erster über die Ergebnisse seiner Erziehung von gehörlosen Kindern.
18. Jahrhundert: In Frankreich gründet Abbé de l‘Epée die erste Schule für gehörlose Kinder, in der mit Gebärden unterrichtet wird. 1817 gründet ein Schüler des Abbé, Laurent Clerc, die erste Schule für Gehörlose in Amerika.
19. Jahrhundert: Beim sogenannten Mailänder Kongress 1880 beschliessen (hörende) Pädagogen die Gebärdensprache in Europa zu verbieten. Die Lehrer konzentrieren sich darauf, den gehörlosen Schülern mit viel Qual das Sprechen beizubringen, statt ihnen Wissen zu vermitteln.
20. Jahrhundert: Das Verbot der Gebärdensprachen bleibt in Europa bis in die 1980-er Jahre bestehen, mit fatalen Folgen für gehörlose Menschen. In Amerika hingegen beginnt sich die Sprachwissenschaft für Gebärdensprache zu interessieren. In den 1960-er Jahren zeigt, William Stokoe, dass die amerikanische Gebärdensprache eine eigene Grammatik und Struktur aufweist und als vollwertige Sprache angesehen werden kann.

Quellenverzeichnis: https://www.sgb-fss.ch/de/aktuell/kurze-geschichte-der-gebaerdensprache/